Qualität
Mit Einrichtung der Koordinierungsstelle im Jahr 2003 wurde in Schleswig-Holstein ein Qualitätsprozess in der Schuldnerberatung initiiert. In den folgenden Jahren wurden Qualitätsstandards erarbeitet, die 2008 trägerübergreifend verabschiedet wurden und den hilfesuchenden Menschen die Gewähr für eine unabhängige und qualifizierte Arbeit bieten.
Seit 2009 werden regelmäßig regionale Qualitätszirkel durchgeführt, die ein wesentliches Instrument der Qualitätssicherung darstellen.
Ziel des Qualitätsprozesses ist die Beschreibung der definierten Prozessschritte in den jeweiligen Beratungsstellen. Über die Diskussion ergeben sich mögliche Handlungsbedarfe (Verbesserungen), die umgesetzt und kontinuierlich überprüft werden.
Die Koordinierungsstelle begleitet diesen Prozess und entwickelt ihn weiter.
Kernstück und zentrales Instrument des Qualitätsprozesses sind die Qualitätszirkel. In Schleswig-Holstein gibt es sieben regionale Zirkel, die trägerübergreifend zusammengesetzt sind. Sie kommen regelmäßig zusammen und werden durch die Mitglieder der Arbeitsgruppe Qualität organisiert und moderiert. Dort werden die einzelnen Prozessschritte kollegial diskutiert und übergeordnete Handlungsbedarfe an die Arbeitsgruppe Qualität formuliert.
Jede Beratungsstelle (BS) beteiligt sich an den regionalen Qualitätszirkeln und setzt die jeweiligen Prozessschritte individuell um. Somit kann nach und nach ein eigenes, für die Beratungsstelle verbindliches „QM-Handbuch“ entstehen.
Die Arbeitsgruppe Qualität übernimmt im gesamten Qualitätsprozess eine wichtige Steuerungsfunktion. Mehr dazu unten.
Prozess zur Profilierung der Fachlichkeit
Das Thema Profilierung der Fachlichkeit ist kein neues Thema in der Schuldnerberatung und wurde häufiger im Rahmen unseres Qualitätsprozesses diskutiert.
Wir verstehen Qualität als einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, dem ein Verständnis von Schuldnerberatung als ein Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit zugrunde liegt. Das schließt Methoden und zentrale Begrifflichkeiten ein. Vor dem Hintergrund einer Vielzahl von Professionen in der Beratung wurde eine Klärung der Begriffe notwendig ("Reden wir (noch) über Dasselbe?").
Zudem hat die breite Diskussion über das von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) 2018 herausgegebene Konzept “Soziale Schuldnerberatung” gezeigt, dass durchaus unterschiedliche Auffassungen über vermeintlich “eindeutige” Begrifflichkeiten bestehen.
Die Frage, ob das “traditionelle Verständnis” zentraler Begriffe der Sozialen Arbeit mit den aktuell in der Schuldnerberatung verwendeten Begriffen übereinstimmt oder ob es Bedeutungsverschiebungen gegeben hat, wurde in der Arbeitsgruppe Qualität häufiger diskutiert. Daraus entstand der Wunsch nach einer fachlichen Klärung, die in den Prozess zur Fachlichkeit mündete.
Durch unsere bundesweite Vernetzung sind wir 2019 auf das Forschungsprojekt “Fachlichkeit in der Schuldnerberatung” aufmerksam geworden, welches von Prof. Dr. Hans Ebli und Prof. Dr. Andreas Rein von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen konzeptioniert wurde. Die inhaltliche Nähe der Fragestellungen führte schnell zu dem gemeinsamen Projekt “Profilierung der Fachlichkeit in der Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein”.
Dieses Projekt besteht aus einem wissenschaftlichen und einem praktischen Teil.
Der wissenschaftliche Teil verfolgt grundsätzliche Fragen. Ziel ist die multidimensionale Erörterung und Analyse zentraler Begriffe von Fachlichkeit im Arbeitsfeld Schuldnerberatung vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen fachlichen Erfordernissen und Ansprüchen einerseits und den Bedingungen beruflichen Handelns andererseits. Hans Ebli hat diese Fragestellungen in seinem Vortrag während des Fachtags 2024 näher ausgeführt (Download unten).
Der Prozess zur Profilierung der Fachlichkeit in der Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein wurde mit einer Auftaktveranstaltung am 07.06.2023 in Rendsburg begonnen, in der Hans Ebli die wesentlichen Ergebnisse des Forschungsprojekts vorgestellt hat. Der Tag hat gezeigt, wie wichtig fachliche Diskussionen und die intensive und inhaltsreiche Beschäftigung mit Theorien und Begriffen Sozialer Arbeit sind.
Auf Grundlage dieser Erkenntnisse erfolgt der Einstieg in den praktischen Teil des Projektes in Folgeveranstaltungen unter dem Motto “Und was ist noch mal Beratung?”, die im Juli 2024 stattgefunden haben. An der Konzeptionierung dieser Veranstaltungen war die Arbeitsgruppe Qualität aktiv beteiligt.
Vor dem Hintergrund eines Beratungskonzepts wurden die Ergebnisse des Forschungsprojekts mit dem eigenen Verständnis der Beratungskräfte sowie den derzeit geltenden Qualitätsstandards abgeglichen und in der Folge ein gemeinsames Verständnis zentraler Begriffe Sozialer Arbeit erarbeitet.
Der Prozess geht weiter...
Die fachliche Debatte kann perspektivisch auch zu einer Überarbeitung der Qualitätsstandards führen. Denn der Konsens in der Begrifflichkeit ist als ein Qualitätsmerkmal anzusehen und hilft einerseits der Profilierung der Arbeit nach außen, nicht zuletzt in der Gewinnung von Fachkräften. Andererseits trägt er zu einem verstärkten sozialarbeiterischen Selbstverständnis der Berater*innen bei.
Dieser Prozess ist nicht beendet, denn die eigene Fachlichkeit wird in unterschiedlichen beraterischen Zusammenhängen, fachlichen Aufgaben (Beratung, Prävention, Qualität usw.) und durch die rasante Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz permanent herausgefordert.



