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In der Sache nicht neu, dennoch jetzt im internationalen Vergleich in neuem Licht. In einer aktuellen Studie kritisiert die OECD das deutsche Rentensystem. Die Experten bemängeln, dass es hierzulande keine Mindestrente gibt, und stellen extreme Unterschiede zwischen den Renten von Männern und Frauen fest.

In den allermeisten OECD-Ländern werden Renten von Geringverdienern vom Staat aufgestockt, nicht aber in Deutschland. Die enge Verbindung von Einkommen und Rentenansprüchen sowie das Fehlen von Grund- und Mindestrenten bedeuten, dass Niedrigverdiener und solche mit geringen Beitragszeiten von Altersarmut bedroht sind. Noch weniger als in Deutschland erhalten Geringverdiener demnach nur in Mexiko, Polen, Chile, Großbritannien und Japan. Am höchsten sind die Renten für die Niedrigverdiener in Dänemark und den Niederlanden.

Diese Situation ist systembedingt, sie resultiert aus der Konstruktionslogik des (früheren) Erfolgsmodells der Gesetzlichen Rentenversicherung. Man kann sich das an der Rentenformel veranschaulichen.

Gleichzeitig kommt mit Blick auf die für viele Betroffene sichere Altersarmut hinzu, dass die Geringverdiener angesichts der sehr niedrigen laufenden Einkommen aus Erwerbsarbeit in der Zeit vor den Rente kaum oder gar keine Möglichkeiten haben, andere Rücklagen oder gar Vermögen zu bilden. Sie sind auch unterdurchschnittlich in der Riester-Renten-Welt unterwegs und meistens arbeiten sie in Branchen bzw. Unternehmen, bei denen es auch keine betriebliche Altersvorsorge gegeben hat bzw. gibt, so dass es im Alter auch keine zusätzliche Betriebsrente geben wird.

Zugleich kann man mit einem einzigen Blick auf die Mechanik der Rentenformel ebenfalls erkennen, warum (vor allem, weil mehrheitlich) Frauen, die lange Jahre ihrer Erwerbsbiografie in Teilzeitarbeit verbracht haben, selbst bei deutlich höheren Stundenlöhnen als die 8,84 Euro Mindestlohn keine Chance haben können, eine halbwegs ordentliche Rente erwarten zu dürfen. Teilzeitarbeit ist im deutschen Rentensystem konzeptionell nicht vorgesehen und führt zu Kümmerrenten, was innerhalb des Systems logisch und zwangsläufig ist.
Siehe auch Hans-Böckler-Stiftung: "Frauen im Alter arm dran": Die Renten der Frauen sind im Schnitt nur halb so hoch wie die der Männer. Mehr

Stefan Sell schlägt die Wiedereinführung der „Rente nach Mindesteinkommen“ vor. Dabei werden unterdurchschnittliche versicherungspflichtige Einkommen im Nachhinein, also nach Vollendung der Erwerbsbiografie, mit dem Faktor 1,5 (d. h. um die Hälfte) auf maximal 75 Prozent der Durchschnittsentgelts hoch gewertet.

Quelle: Stefan Sell, Blog Aktuelle Sozialpolitik



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